Linksabgeordneter Hakki Keskin erkennt die Bundestagsresolution vom Juni 2005 endlich an – Bodo Ramelow verweigert eine Entschuldigung für seine infame Unterstellung

Alle Fraktionen des Bundestages sowie die PDS Abgeordneten hatten damals „im Gedenken an die Opfer von Gewalt, Mord und Vertreibung, unter denen das armenische Volk vor und während des Ersten Weltkrieges zu leiden hatte" einer Resolution zugestimmt, in der „die Taten der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reiches, die zur fast vollständigen Vernichtung der Armenier in Anatolien geführt haben", verurteilt wurde. «Der Bundestag hat festgestellt, dass es einen Völkermord und schreckliche Gräueltaten gegeben hat», sagte Ramelow nach der Beschlussfassung auf der Klausurtagung in Bremen.

Unter dem Vorsitz von Prof. Hakki Keskin hatte die TGD 2005 im Vorfeld der Debatte im Bundestag eine Kampagne geführt, um die Annahme dieser Resolution  zu verhindern. Den Bundestagsabgeordneten warf die TGD damals in einer Presseerklärung vor, sie sei „der Propaganda der Diasporaarmenier erlegen". Wir begrüßen es, dass Prof. Keskin seine ursprüngliche Ablehnung der Resolution aufgegeben und eingesehen hat, dass die Aner-kennung der historischen Tatsachen unumgänglich ist. Die armenische Gemeinschaft in Deutschland wird aber auch in Zukunft genau auf die Äußerungen Keskins im Zusammenhang mit dem Völkermord achten. 

Wir erwarten von der TGD und anderen türkischen Organisationen, die sich in den vergangenen Tagen mit Keskin solidarisiert hatten, dass sie nun dem Beispiel Prof. Keskins folgen und endlich mit einer offenen und kritischen Auseinandersetzung mit der türkischen Geschichte beginnen. Es ist höchste Zeit, dass die in Deutschland lebenden Türken sich der historischen Wahrheit öffnen und das Verbrechen am armenischen Volk verurteilen. Der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, aber auch andere mutige türkische Intellektuelle und Wissenschaftler wie Taner Akcam, Fatma Müge-Göcek, Ragip Zarakolu oder Elif Shafak sollten ihnen dabei als Vorbild dienen.

In den vergangenen Wochen haben zahlreiche türkische Demokraten die Forderungen der armenische Gemeinschaft in Deutschland offen und deutlich unterstützt. Der ZAD bedankt sich ganz ausdrücklich für ihre Solidarität. Wir sind zuversichtlich, dass die Zahl der türkischen Demokraten, die den Völkermord anerkennen und die offizielle türkische Geschichtsdarstellung als unglaubwürdig zurückweisen, weiter wachsen wird. Diesen Prozess der Wahrheitsfindung, der inzwischen auch in der Türkei begonnen hat, haben wir immer unterstützt und werden es auch in Zukunft tun.

In den vergangenen Wochen hat der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion,  Bodo Ramelow, durch zahlreiche absurde Äußerungen und infame Unterstellungen, zu einer Eskalation der Debatte beigetragen. Dem ZAD warf er vor, die Opfer des Völkermordes zu „instrumentalisieren". Der ZAD besteht weiterhin darauf, dass Bodo Ramelow, sich für diese kränkende Äußerung entschuldigt.

 

Zentralrat der Armenier in Deutschland Frankfurt am Main, 15.01.2007